Regionale Landwirtschaft

Die Regionale Vertragslandwirtschaft (RVL) oder auch Solidarische Landwirtschaft (Solawi) stellt den Kontakt zwischen LandwirtInnen/ GärtnerInnen und den Abnehmern ihrer Produkte wieder her. Ziel ist es, dass LandwirtInnen und AbnehmerInnen nicht mehr anonyme Handelspartner sind, sondern zu gleichberechtigten Mitgliedern einer Gemeinschaft werden. Die Abnehmer erhalten regionales, biologisches und saisonales Gemüse zu einem fairen Preis. Im Gegenzug wird den LandwirtInnen eine langfristige Abnahmegarantie für ihre Produkte gewährt, was ihnen das Planen über grössere Zeiträume ermöglicht und ihre Abhängigkeit vom Diktat des freien Marktes befreit.

Soziale und ökologische Aspekte

Die Regionale Vertragslandwirtschaft soll Alternativen zu einer Landwirtschaft aufzeigen, welche durch den herrschenden Preisdruck angetrieben ist. Alternativen zu einer Landwirtschaft, bei welcher soziale, wie auch ökologische Aspekte der Nahrungsmittelproduktion untergraben werden. Der zunehmende Preisdruck führte in den letzten Jahrzehnten dazu, dass die Arbeitsbedingungen im Landwirtschschaftssektor immer prekärer wurden. Hilfskräfte in Drittweltländern, Süditalien und Spanien, welche unter anderem für den Schweizer Markt Gemüse produzieren, leben und arbeiten unter unmenschlichen Verhältnissen. Aber auch in Ländern wie der Schweiz sind die Verhältnisse prekär. Für Hilfskräfte der Landwirtschaft sind die in der Schweiz üblichen Gesamtarbeitsverträge nicht gültig, Monatslöhne von Fr. 2500.- und 55 Stundenwochen gelten als normal. Zusätzlich zu diesen sozialen Missständen werden durch den Preisdruck auch ökologische Aspekte immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Wegen immer längeren Transportwegen, der Mechanisierung und dem hohen Bedarf an synthetisch-mineralischen Düngern ist der Energiebedarf enorm. Hinzu kommt, dass der Einsatz der verhältnismässig günstigen Pestizide oft der Umwelt und dem Menschen schadet.

Eigenes Engagement, Nähe zu Natur und Mensch

Die Regionale Vertragslandwirtschaft ist ein Ansatz, die Nahrungsmittelproduktion nicht mehr als ein „notwendiges Übel“ zu betrachten, bei welchem nur ein möglichst tiefer Preis zählt. Viel richtiger scheint es uns, die Nahrungsproduktion, deren Vertrieb und Verarbeitung als einen wichtigen Teil unseres Lebens zu betrachten. Die Nahrungsmittelversorgung selbst in die Hand zu nehmen bedingt viel Engagement und Arbeit, bringt uns aber auch mit den uns umgebenden Menschen und der Natur in Beziehung, was bereichernd sein und Spass machen kann.

Kleinräumige Versorgung mit weltweiter Wirkung

Regionale Vertragslandwirtschafts-Projekte gibt es auf der ganzen Welt. Eines unserer Ziele ist es, ein Konzept zu unterstützen, das gerade für die Bevölkerung in Ländern nützlich ist, welche täglich dafür kämpfen, sich genug Essen beschaffen zu können. Anstelle einer industriellen Landwirtschaft, welche nur für den Export in die reicheren Länder produziert, soll es weltweit wieder möglich sein, kleinräumig die lokale Bevölkerung mit Nahrungsmitteln zu versorgen.

In der Schweiz gibt es die Regionale Vertragslandwirtschaft schon seit über 30 Jahren. Hauptsächlich in der Westschweiz angesiedelt, leisteten Projekte wie Jardin de cocagne in Genf Pionierarbeit. Erst seit einigen Jahren ist der Funke auch auf die Deutschschweiz übergesprungen. So sind in den letzten Jahren in etlichen Städten neue Projekte entstanden, wie etwa ortolocco in Zürich, Soliterre in Bern und Xylem in Winterthur.